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Mystische Naturschönheit – Der Davidgraben

1. Oktober 2015 Landschaft

Südlich von Salzburg befindet sich der Tauglboden, eine Hochfläche nordöstlich des Quellgebiets des Tauglbaches. Dieser Bach ist ein östlicher Zufluss der Salzach im Tennengau und durchquert ein herrlich abgelegen und wild romantisches Tal.

Weit hinten im Tal und recht unauffällig mündet der Davidgraben in die Taugl, wo auch Fossiliensammler in den Adneter Schichten ihr Glück suchen. Nautiliden und Ammoniten sind keine Seltenheit.

Der roten Knollenkalk aus dem Lias des Jura beschert aber auch herrliche Motive für Fotografen. Ein stark bedeckter und kalter Herbsttag bot bei leichtem Nieselregen beste Lichtbedingungen um eine abenteuerliche Exkursion in die Schlucht des Davidgraben zu wagen. Der Zugang erfolgt gut ausgerüstet mit Wattstiefeln und warmer Unterkleidung, da man sich schon nach wenigen Bachwindungen durch brusttiefe Gumpen watend wiederfindet. Dabei eröffnen sich einsam meditative Momente in einer von der Natur geschaffenen Wunderwelt.

Fotografisch ist dieses Unterfangen nicht nur körperlich interessant (es müssen auch einige Stellen leichter Kletterei überwunden werden, was mit empfindlichem Fotoequipment und Stativ auf dem Rücken und in rutschig einschnürender Watthose steckend eine gewisse Herausforderung darstellt), sondern auch die speziellen Umweltbedingungen fordern zusätzlich.

Ist der Bildaufbau nach erfolgversprechender Stativarbeit geschafft, redet man sich die wacklig verspreizte Konstruktion noch schnell stabil. Sie wird dem an den Stativfüßen zerrenden Wildbach, der Schwerkraft und den glitschigen Schluchtwänden schon trotzen… So findet man sich schnell in feucht fröhlich verrenkter Körperhaltung wieder, während teilweise 3 Verlaufsfilter und Polfilter  nach halbwegs erfolgreicher Trocknungsarbeit vor Nieselregen und tropfenden Felsüberhängen mit dem Regenschirm geschützt und gehandhabt werden wollen. Nach bewerkstelligter Polfiltereinstellung, welche hier einen schwierigen Kompromiss zwischen spiegelnden Felswänden und bei zu starker Einstellung einem langweilig entspiegeltem Wasserlauf darstellt, beginnt das Spiel mit Blende, Verschlusszeit und Empfindlichkeit. Wie ich heute meine, ist mir dies nicht immer gut gelungen, da das Wasser aufgrund der recht langen Verschlusszeiten in der dunklen Umgebung doch etwas homogen daher kommt. Eine eher geschlossene Blende schafft aber die hier wohl vorzuziehende große Schärfentiefe und möchte man die Belichtungszeiten dennoch verkürzen, bleibt nur noch die Empfindlichkeit zu erhöhen, was aber recht schnell das Bildrauschen merklich sichtbar zunehmen lässt. Naja, also hat man dann noch den Fokuspunkt gefunden, kämpft nur noch das Geräusch des Auslösers gegen den tosend gurgelnden Wildbach einen aussichstlosen Kampf… Erstaunt stellt man dann fest, dass trotz reichlich eingesetzter Technik auch an einem solch trüben Tag der Dynamikumfang in dieser Umgebung nicht ganz zu beherrschen ist, also erlaubt man sich noch einige Belichtungsreihen um ggf. zuhause die Nacharbeit am Rechner durch das eine oder andere HDR vorzubereiten. Wohl dem, der nicht in der Canonfalle sitzt, sonder bei Nikon, Leika oder Sony von fortschrittlicher Sensortechnik profitieren darf!

Nach 7 Stunden teilweise wirklicher Arbeit entsteigt man dann durchnässt und frierend aber tiefenentspannt, hochzufrieden und mit herrlichen Eindrücken vor dem geistigen Auge dem kühlen Nass.

Weitere Eindrücke finden sich HIER.

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1 comment

  1. Your images and their quality are always paramount. I hope you get to print this series and hang them in a show! Fantastic shots which you have totally mastered. I am not going to start going on about the beautiful exposure, composition or processing because you obviously know exactly what you are doing. Very well done.

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